In München – August 2010

DUKE UND DINO
Dass Irland nicht gerade für seine Küche berühmt ist – hinlänglich bekannt. und nun ist ausgerechnet ein Ire einer der kreativsten Küchenchefs Münchens: Ein Besuch in Shane´s Restaurant wird zu einer eindrucksvollen kulinarischen Reise zwischen Europa und Asien.

Shane McMahon wuchs in Limerick auf, wo er bereits im Alter von zwölf Jahren im Restaurant seiner Eltern (Mutter ist Österreicherin) kochen lernte. Mit 21 Jahren ging er nach München, und arbeitete in den Sternerestaurants Königshof und Tantris. Bobby Bräuer hätte in geschliffen und Hans Haas poliert, meint Shane und fürwahr denkt man allein schon bei der Präsentation seiner Gerichte an den kulinarischen Sternenhimmel. Als Show- und Eventkoch kann man den Mann von der grünen Insel auch heute noch buchen, seit sieben Monaten hat sich McMahon jetzt den Traum vom eingenen Restaurant erfüllt und die Räumlichkeiten der ehemaligen Stromberg-Lokalität im Hotel Prinzessin Elisabeth übernommen. In lässig-stylischem Ambiente grüßen „Duke“ John Wayne und „Dino“ Dean Martin über den Pastatopf gebeugt lebensgroß von der Wand, wer sich das Bild der beiden Raubeine ins Restaurant hängt, kan nicht verkehrt sein. Auf der lauschigen Terrasse neben dem Kräutergarten Platz genommen geht es dann los, ein Überraschungsmenü steht an, wählbar zwischen drei und sechs Gängen (ab38 Euro pro Person, mit Weinen ab 58), Essen ohne „Netz und Boden“ wird versprochen.
Die Überraschungsmenüs bilden neben einer kleinen Favoritenauswahl das Herz der Gastronomie in Shanes Küche. Nachdem der Gast dem Servispersonal – in unserem Fall mit Sarah aus der Schweiz und Elisabeth aus Österreich zwei sehr professionelle und sympatische Vertreterinnen ihres Berufs – mitgeteilt hatt, was er gar nicht mag oder welche Allergien er hat, wird in der Küche der Kreativität freien Lauf gelassen. Und das kann zum Beispiel so aussehen: den sommerlichen Temeraturen geschuldet eröffnet äußerst eindrucksvoll eine Melonen-Gazpacho mit Schwertfischtatar, Fischrogen, Melonenstückchen und Käutertopping die kulinarische Reise, dazu werden offene Weine, in diesem Fall Chardonnay, Lugana und Riesling gereicht, vor allem Letztere konnten wuderbar harmonieren. Es folgt ein Jakobsmuschel-Carpaccio mit Curry-Fencheldressing-Schaum, dazu gibt es leicht frittierten Pak Choi. Langsam wird klar, was der Mann mit ohne Netz und Boden meint. Die Dim Sum-Ravioli, gefüllt mit einer Farce aus Ochsenragout und Backpflaume, werden mit Croutons (bisschen hart) und Frühlingszwiebel angerichtet, ein Hauch Zitronengras lässt wieder fernöstliche Töne anklingen. Nach einer kleinen Pause und der Rotweinbestellung (Montepulciano und Crianza, beide gut) geht´s weiter mit dem Hauptgang: auf einem Pfifferlingsragout werden dünne Scheibchen vom Milchkalbsfilet zu Erbsenpüree gereicht, schmeckt ganz hervorragend, da funkelt schon einladend der Sternenhimmel. Zum Dessert gibt es geeiste Lychee-Soup mit Sauerrahmeis, Mango- und Lycheestückchen und Pfefferminze, traumhaft. Schwer beeindruckt und auf angenehmste Weise gesättigt bleibt jetzt nur noch der Weg in die angrenzende Bar, um das Esserlebnis angemessen zu verdauen. Duke und Dino hängen immer noch über dem Pastatopf, wenn die wüssten, was sie hier verpassen, würden sie für Shane McMahon schon mal einen Hocker in ihrer Nirvana Bar reservieren. Den braucht er hoffentlich noch lange nicht, denn hier zaubert er ebenfalls ganz großes Kino.
Text: Rainer Germann

 

Von | 2017-03-24T15:02:18+00:00 01.08. 2010|News|0 Kommentare

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